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Vape-Mythen im Faktencheck: Wasserdampf, 95 % und Gewicht

Nur Wasserdampf? 95 Prozent sicherer? Man nimmt sowieso zu? Fünf verbreitete Annahmen zum Dampfen, ruhig geprüft an dem, was die Evidenz derzeit hergibt.

Veröffentlicht Aktualisiert Puff Counter Team 5 Min. Lesezeit

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Kurz gesagt

Was beim Dampfen entsteht, ist kein Wasserdampf, sondern ein Aerosol aus Propylenglykol, Glycerin, Aromen und meist Nikotin. Für Rauchende ist Dampfen sehr wahrscheinlich weniger schädlich als Rauchen, harmlos ist es nicht. Die bekannten 95 Prozent stammen aus einer britischen Experteneinschätzung von 2015, nicht aus einer Langzeitstudie.

Über kaum ein Thema wird so laut gestritten wie über Vapes — und fast immer von Leuten, die entweder etwas verkaufen oder etwas beweisen wollen. Dazwischen stehst du mit einem Gerät in der Hand und der ehrlichen Frage, was davon eigentlich stimmt.

Hier sind fünf Sätze, die du sicher schon gehört hast. Ohne Panikmache, ohne Werbung — nur mit dem, was sich derzeit belegen lässt und was nicht.

„Das ist doch nur Wasserdampf”

Das ist der hartnäckigste Satz, und er ist schlicht falsch. Was du ausatmest, ist kein Dampf, sondern ein Aerosol: winzige Flüssigkeitströpfchen in der Luft. Wasser ist darin bestenfalls ein Nebendarsteller.

Drin sind normalerweise Propylenglykol und pflanzliches Glycerin als Träger, Aromastoffe, meistens Nikotin — und, je nach Gerät und Zustand der Verdampferwendel, Spuren von Metallen, die beim Erhitzen abgegeben werden. Dazu kommen Stoffe, die erst beim Erhitzen entstehen und nicht im Liquid standen.

Ein wichtiger Punkt dabei: Viele Aromastoffe sind als Lebensmittel unbedenklich geprüft. Essen und Einatmen sind aber zwei völlig verschiedene Dinge — die Lunge hat keine Verdauung. „Lebensmittelqualität” auf einem Liquid sagt deshalb nichts darüber aus, was das Zeug in deinen Atemwegen macht.

„Dampfen ist 95 Prozent sicherer, also ist es harmlos”

Die Zahl ist echt, aber sie wird fast immer falsch benutzt. Sie stammt aus einem englischen Bericht von 2015 und beruht auf der Einschätzung einer Expertenrunde, nicht auf einer Langzeitstudie mit Menschen. Schon damals wurde sie fachlich kritisiert, weil sich Risiken über Jahrzehnte kaum in eine einzelne Prozentzahl pressen lassen. Die WHO formuliert deutlich zurückhaltender.

Was man verantwortbar sagen kann: Dampfen ist für Menschen, die ohnehin rauchen, sehr wahrscheinlich weniger schädlich als Rauchen — es gibt keine Verbrennung, keinen Teer und kein Kohlenmonoxid. Das ist ein realer Unterschied.

Was man nicht sagen kann: dass es harmlos ist. Und der Satz, an dem sich die ganze Debatte entscheidet: Weniger schädlich als Rauchen heißt nicht weniger schädlich als gar nichts. Wenn du nicht geraucht, sondern direkt mit dem Dampfen angefangen hast, ist die Zigarette nicht dein Vergleichsmaßstab — dein Vergleichsmaßstab ist ein Leben ohne beides.

„Dampfen macht nicht so abhängig wie Rauchen”

Es ist derselbe Stoff, und in der Praxis oft in einer Form, die noch besser bei dir ankommt. Nikotinsalze machen hohe Konzentrationen angenehm inhalierbar — es kratzt nicht, also nimmst du mehr, ohne es zu merken. In der EU sind bis zu 20 mg/ml erlaubt, und viele Geräte liegen genau dort.

Dazu kommt das strukturelle Problem: Eine Zigarette hat ein Ende. Eine Packung hat ein Ende. Ein Vape hat keins. Kein Anzünden, kein Geruch, kein Aschenbecher, keine Unterbrechung. Er liegt neben der Tastatur, und alle paar Minuten passiert etwas, das nie eine Entscheidung war.

Deshalb wissen die meisten Dampfenden nicht einmal ungefähr, wie viel sie konsumieren. Und deshalb ist Zählen hier so wirksam: Die Zahl in der ersten Woche ist für fast alle eine Überraschung — und allein diese Sichtbarkeit senkt den Konsum bereits.

„Ich nehme sowieso zu, wenn ich aufhöre”

An dieser Sorge ist etwas dran, und sie zu leugnen bringt nichts. Nikotin dämpft den Appetit und hebt den Energieverbrauch leicht an. Fällt es weg, meldet sich beides zurück, und viele Menschen nehmen in den ersten Monaten etwas zu.

Nur ist der Vergleich, um den es geht, ein anderer. Die durchschnittliche Zunahme nach dem Rauchstopp bewegt sich in einem Bereich, dessen gesundheitliche Nachteile in keinem Verhältnis zu den Vorteilen des Aufhörens stehen — Fachgesellschaften sind sich darin ungewöhnlich einig. Und Gewicht ist umkehrbar. Eine Abhängigkeit war es nicht.

Praktisch hilft:

  • Trink deutlich mehr Wasser. Ein großer Teil des „Hungers” in den ersten Tagen ist Beschäftigungsdrang, kein Kalorienbedarf.
  • Halte etwas für Hände und Mund bereit, das nicht aus Zucker besteht.
  • Beweg dich täglich. Es senkt gleichzeitig Verlangen, Anspannung und Zunahme — drei Probleme, ein Werkzeug.
  • Fang nicht gleichzeitig mit einer strengen Diät an. Zwei Entzüge auf einmal gehen selten gut aus.

„Dampfen ist der sichere Weg, mit dem Rauchen aufzuhören”

Halb richtig, und die andere Hälfte ist entscheidend. Es gibt inzwischen brauchbare Evidenz dafür, dass nikotinhaltige E-Zigaretten Rauchenden beim Aufhören helfen können — in Studien teilweise besser als klassische Nikotinersatzprodukte.

Zwei Dinge verschweigt dieser Satz aber gern. Erstens landen viele beim Doppelkonsum: morgens die Zigarette, tagsüber der Vape. Das ist keine Umstellung, das ist eine Erweiterung. Zweitens ist das Ziel bei den meisten dann erreicht, wenn die Zigarette weg ist — und der Vape bleibt. Aus einem Werkzeug für sechs Wochen werden vier Jahre.

Wenn du den Umstieg gemacht hast: gut. Der nächste Schritt ist trotzdem fällig, und er ist mit einem Plan machbar — Nikotinstärke stufenweise senken, Zugzahl senken, Enddatum im Kalender.

„Ohne Nikotin ist es egal”

Nikotinfreie Liquids nehmen den Suchtstoff heraus, aber nicht das Aerosol und nicht die Aromastoffe — und über deren Langzeitwirkung in der Lunge weiß man wenig. Dazu kommt der psychologische Teil: Die Handbewegung, der Zug, das Gerät in der Tasche bleiben erhalten. Die Gewohnheitsschleife läuft komplett weiter, nur ohne Belohnung.

Als letzte Stufe einer Reduktion, für zwei, drei Wochen, kann das ein sinnvoller Übergang sein. Als Dauerlösung ist es meistens die Gewohnheit, die auf ihren Auslöser wartet.

Was davon bleibt

Nüchtern zusammengefasst: Dampfen ist für Rauchende sehr wahrscheinlich das kleinere Übel, es ist nicht harmlos, es macht genauso abhängig, und es ist ein hervorragender Zwischenschritt und eine schlechte Endstation.

Wenn du an diesem Punkt bist — weg von der Zigarette, aber fest am Gerät —, ist genau das der Fall, für den Puff Counter gebaut wurde: Du zählst jeden Zug mit einem Tipp, siehst zum ersten Mal deine echte Zahl, und dein Tageslimit sinkt Woche für Woche in einem Tempo, das dein Kopf mitmacht. Die Diskussion über Prozentzahlen kannst du dann anderen überlassen.

Häufige Fragen

Ist Dampfen wirklich nur Wasserdampf?

Nein. Was du ausatmest, ist ein Aerosol aus winzigen Flüssigkeitströpfchen, in dem Wasser bestenfalls ein Nebendarsteller ist. Enthalten sind Propylenglykol und Glycerin als Träger, Aromastoffe, meist Nikotin sowie je nach Gerät Spuren von Metallen. Ein als Lebensmittel geprüftes Aroma sagt nichts darüber aus, wie es sich in der Lunge verhält.

Stimmt es, dass Dampfen 95 Prozent sicherer ist?

Die Zahl ist echt, wird aber fast immer falsch benutzt. Sie stammt aus einem englischen Bericht von 2015 und beruht auf der Einschätzung einer Expertenrunde, nicht auf einer Langzeitstudie mit Menschen; die WHO formuliert deutlich zurückhaltender. Weniger schädlich als Rauchen heißt außerdem nicht weniger schädlich als gar nichts.

Macht Dampfen weniger abhängig als Rauchen?

Es ist derselbe Stoff, oft in einer Form, die noch besser ankommt: Nikotinsalze machen hohe Konzentrationen angenehm inhalierbar, sodass unbemerkt mehr konsumiert wird. Dazu fehlt jedes Stoppsignal — eine Zigarette hat ein Ende, ein Vape nicht. Deshalb kennen die wenigsten Dampfenden ihre tatsächliche Menge auch nur ungefähr.

Sind nikotinfreie Liquids unbedenklich?

Sie nehmen den Suchtstoff heraus, nicht aber das Aerosol und die Aromastoffe, über deren Langzeitwirkung in der Lunge wenig bekannt ist. Dazu bleibt die Gewohnheitsschleife vollständig erhalten: Handbewegung, Zug und Gerät in der Tasche. Als letzte Stufe einer Reduktion für zwei bis drei Wochen sinnvoll, als Dauerlösung selten.