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Was ist in Liquid drin? Die Inhaltsstoffe erklärt

PG, VG, Nikotin und Aromen: Was wirklich im Liquid steckt, warum lebensmittelecht nicht lungentauglich bedeutet und welche Stoffe erst beim Erhitzen entstehen.

Veröffentlicht Aktualisiert Puff Counter Team 5 Min. Lesezeit

  • Liquid
  • Dampfen

Kurz gesagt

Liquid besteht im Kern aus vier Dingen: Propylenglykol als Geschmacksträger, pflanzlichem Glycerin für die Dampfmenge, Aromastoffen und meist Nikotin. Die Zutaten sind einzeln als Lebensmittel zugelassen — geprüft ist damit aber das Essen, nicht das Einatmen über Jahre. Beim Erhitzen entstehen zusätzlich Stoffe, die im Fläschchen nicht standen.

Auf einer Liquidflasche steht selten mehr als eine Geschmacksrichtung, eine Nikotinstärke und ein Zahlenpaar wie 50/50. Was das im Detail bedeutet, wissen die wenigsten Menschen, die täglich hunderte Züge davon einatmen.

Die kurze Antwort: vier Zutaten. Die längere Antwort ist interessanter — denn das, was du einatmest, ist nicht identisch mit dem, was in der Flasche war.

Die vier Grundbestandteile von Liquid

Propylenglykol (PG). Eine klare, dünnflüssige Substanz, die als Lebensmittelzusatzstoff und in Kosmetik weit verbreitet ist. Im Liquid ist sie der Geschmacksträger und verantwortlich für das Kratzen im Rachen, den sogenannten Throat Hit. PG bindet Wasser — was der Hauptgrund für den trockenen Mund beim Dampfen ist.

Pflanzliches Glycerin (VG). Zähflüssig, leicht süßlich, ebenfalls aus dem Lebensmittelbereich bekannt. VG erzeugt die sichtbare Aerosolwolke. Je höher der VG-Anteil, desto mehr Dampf und desto weniger Kratzen.

Das Verhältnis auf der Flasche sagt dir, welches Erlebnis das Gerät liefert:

VerhältnisTypisches GerätCharakter
50/50Pods, EinweggeräteKräftiger Throat Hit, wenig Wolke
40/60Allrounder-TanksAusgewogen
30/70Sub-Ohm, ModsWeich, sehr viel Aerosol

Nikotin. Als Freebase oder als Nikotinsalz. In der EU sind maximal 20 Milligramm pro Milliliter erlaubt, maximal 10 Milliliter pro Nachfüllflasche und maximal 2 Milliliter im Tank eines regulären Einweggeräts. Bei Nikotinsalz senkt eine zugesetzte Säure den pH-Wert, der Zug wird weich — und dieselbe Menge Nikotin lässt sich deutlich leichter tief einatmen.

Aromastoffe. Der kleinste Anteil, meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich — und der am wenigsten standardisierte. Ein einziges „Erdbeer-Kiwi” kann aus einem Dutzend Einzelaromen bestehen, dazu Süßstoffe wie Sucralose und Kühlmittel wie WS-23, die den Frischeeffekt ohne Minzgeschmack liefern.

Dazu kommen je nach Rezeptur kleine Mengen Wasser und Alkohol als Lösungsvermittler.

Warum „lebensmittelecht” nicht „lungentauglich” heißt

Fast jeder Bestandteil eines Liquids trägt eine Lebensmittelzulassung. Dieser Satz stimmt — und er beantwortet die falsche Frage.

Lebensmittelzulassungen prüfen den Weg durch Magen und Darm. Dort werden Moleküle enzymatisch zerlegt, die Leber filtert, der Körper hat einen ganzen Apparat für Verdauung. Beim Einatmen fällt dieser Apparat weg: Die Substanz trifft direkt auf die Schleimhaut der Atemwege und in feinster Tröpfchenform bis in die kleinen Bronchien.

Das Lehrbuchbeispiel ist Diacetyl, ein Butteraroma. Als Zutat in Popcorn seit Jahrzehnten unauffällig. Eingeatmet in Konzentration wurde es bei Arbeitern in Popcornfabriken mit einer schweren, dauerhaften Verengung der kleinen Atemwege in Verbindung gebracht — der Grund, warum in der EU Diacetyl in Liquids nicht mehr zulässig ist.

Ähnliche Fragezeichen stehen hinter Zimtaldehyd, Benzaldehyd und den synthetischen Kühlmitteln, die in Frucht- und Eis-Sorten inzwischen fast Standard sind. Nicht „erwiesen gefährlich”, aber eben auch nicht geprüft für tausende Inhalationen pro Woche über Jahre.

Was erst beim Erhitzen entsteht

Der zweite Punkt ist der, den die Zutatenliste gar nicht abbilden kann. Ein Liquid wird nicht getrunken, sondern auf etwa 200 bis 300 Grad erhitzt — und Hitze verändert Moleküle.

  • Carbonyle. Aus Propylenglykol und Glycerin können unter Hitze Formaldehyd und Acetaldehyd entstehen. Wie viel, hängt stark von Leistung, Coil-Zustand und Zugdauer ab. Trockene Watte und hohe Wattzahlen erhöhen die Menge deutlich. Den typischen verbrannten Geschmack hast du wahrscheinlich schon einmal erlebt — das ist genau dieser Vorgang.
  • Metalle. Aus der Heizwendel und den Lötstellen können Spuren von Nickel, Chrom, Blei oder Zinn ins Aerosol gelangen, besonders bei alten oder minderwertigen Verdampferköpfen.
  • Süßstoffreste. Sucralose karamellisiert auf der Wendel. Deshalb verkoken süße Liquids Coils so schnell — und eine verkokte Coil produziert wiederum mehr Zersetzungsprodukte.

Praktische Konsequenz, ohne Panik: Ein frischer Verdampferkopf, moderate Leistung und der Verzicht auf Züge bei trockener Watte reduzieren genau diese Fraktion spürbar.

Was im Aerosol nicht enthalten ist

Der Vollständigkeit halber gehört auch die andere Seite in diesen Text. Weil im Gerät nichts verbrennt, fehlen zwei Stoffgruppen, die beim Rauchen den größten Teil der Schäden verursachen:

  • Teer. Der klebrige Rückstand aus verbranntem Pflanzenmaterial, der sich in den Atemwegen ablagert und die typischen Verfärbungen erzeugt, entsteht ohne Verbrennung nicht.
  • Kohlenmonoxid. Das Gas, das im Blut den Sauerstofftransport blockiert und beim Rauchen für einen Großteil der Herz-Kreislauf-Belastung verantwortlich ist, wird beim Verdampfen nicht gebildet.

Genau darauf stützt sich die Einschätzung von Gesundheitsbehörden, dass ein vollständiger Umstieg für Rauchende weniger schädlich ist als Weiterrauchen. „Weniger schädlich” ist dabei allerdings ein Vergleich mit dem schädlichsten Alltagsprodukt überhaupt — kein Gütesiegel und keine Aussage über Nierauchende.

Was du bei einer Empfindlichkeit merkst

Ein kleiner Teil der Menschen reagiert auf Propylenglykol mit Halskratzen, Hautausschlag oder Reizhusten, der auch bei frischer Coil bleibt. In solchen Fällen bringt ein Wechsel auf ein Liquid mit hohem Glycerinanteil oft Besserung — allerdings braucht ein zähflüssiges Liquid ein Gerät, das dafür ausgelegt ist, sonst brennt der Docht trocken und produziert genau die Zersetzungsprodukte aus dem vorherigen Abschnitt.

Was du auf der Flasche wirklich lesen solltest

  1. Nikotinstärke in Milligramm pro Milliliter — und ob Freebase oder Salz. Salz bedeutet: kratzt weniger, geht tiefer, bindet stärker.
  2. PG/VG-Verhältnis, damit es zum Gerät passt.
  3. Vollständige Zutatenliste und Chargennummer. In der EU sind Hersteller zur Meldung aller Bestandteile verpflichtet. Fehlt die Liste, fehlt die Regulierung.
  4. Herkunft. Importware von Marktplätzen fällt regelmäßig durch Nikotinstärken auf, die nicht dem Aufdruck entsprechen.
  5. Kein Aroma-Marketing als Sicherheitsversprechen lesen. „Natürliches Aroma” sagt nichts über Inhalationssicherheit.

Die Zahl, die mehr über dich aussagt als jede Zutatenliste

Am Ende zählt für dein persönliches Risiko weniger, welche Aromen im Fläschchen sind, als wie oft du daran ziehst. Zwanzig Züge am Tag und achthundert Züge am Tag sind dieselben Zutaten in völlig verschiedener Dosis.

Und diese Zahl kennt fast niemand. Beim Dampfen fehlt der natürliche Endpunkt, den eine Zigarette nach fünf Minuten setzt — der Konsum verteilt sich unsichtbar über den ganzen Tag.

Deshalb der einzige Schritt, den dieser Text von dir will: Zähl heute einen Tag lang jeden Zug mit und ändere sonst nichts. Zwei Minuten Aufwand, ein ehrlicher Ausgangswert. Puff Counter erfasst jeden Zug mit einem Tipp und baut daraus ein Wochenlimit, das sich an deinem realen Schnitt orientiert statt an einem Vorsatz.

Was du einatmest, kannst du auf der Flasche nachlesen. Wie viel davon, weißt du erst nach dem ersten gezählten Tag.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Verhältnis PG/VG auf der Flasche?

Es gibt den Anteil von Propylenglykol zu pflanzlichem Glycerin an. PG ist dünnflüssig, trägt Aroma und erzeugt das Kratzen im Hals. VG ist zäh und süßlich und erzeugt die sichtbare Aerosolwolke. 50/50 ist typisch für Pods und Einweggeräte, 30/70 für leistungsstarke Geräte mit viel Dampf.

Ist Liquid ohne Nikotin unbedenklich?

Unbedenklich ist es nicht, nur anders belastet. Ohne Nikotin fällt das Suchtpotenzial der Substanz weg, aber Propylenglykol, Glycerin, Aromastoffe und die beim Erhitzen entstehenden Zersetzungsprodukte atmest du weiterhin ein. Hinzu kommt: Das Verhalten und der Griff zum Gerät bleiben komplett erhalten.

Warum ist lebensmittelecht nicht dasselbe wie lungentauglich?

Lebensmittelzulassungen prüfen den Weg über Magen und Leber, wo Stoffe abgebaut werden. Beim Einatmen gelangen dieselben Moleküle direkt an das empfindliche Gewebe der Atemwege. Das bekannteste Beispiel ist Diacetyl: als Aroma verzehrt unproblematisch, eingeatmet mit schweren Atemwegsschäden in Verbindung gebracht.

Welche Zusatzstoffe sind in EU-Liquids verboten?

Die EU-Tabakproduktrichtlinie untersagt unter anderem Vitamine, Koffein und Taurin, Farbstoffe für das Aerosol sowie Stoffe, die als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Hersteller müssen zudem alle Bestandteile melden. Für nicht regulierte Importware gilt das nicht.