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Ist IQOS weniger schädlich als Zigaretten?

Weniger Schadstoffe im Labor heißt nicht weniger Krankheit. Was für Tabakerhitzer belegt ist, was offen bleibt und was das für deine Entscheidung bedeutet.

Veröffentlicht Aktualisiert Puff Counter Team 5 Min. Lesezeit

  • IQOS
  • Tabakerhitzer

Kurz gesagt

Im Aerosol von Tabakerhitzern liegen mehrere Schadstoffe messbar niedriger als in Zigarettenrauch, vor allem Kohlenmonoxid. Ein geringeres Krankheitsrisiko ist damit nicht belegt: Die WHO betont, dass reduzierte Schadstoffexposition kein Nachweis für reduziertes Risiko ist. Nikotingehalt und Abhängigkeit bleiben mit Zigaretten vergleichbar.

Die kurze Antwort lautet: Einzelne Schadstoffe sind im Aerosol eines Tabakerhitzers messbar niedriger als in Zigarettenrauch. Ein geringeres Risiko, krank zu werden, ist damit nicht belegt. Das sind zwei verschiedene Aussagen, und der Unterschied zwischen ihnen entscheidet darüber, ob ein Umstieg für dich sinnvoll ist.

Bevor wir ins Detail gehen, der Teil, der oft untergeht: Was dich am Rauchen am meisten kostet — die Morgende mit Husten, das Geld, der gedämpfte Geschmack, die Abhängigkeit, die deinen Tag taktet — verschwindet beim Umstieg nicht. Es wandert mit.

Was tatsächlich niedriger ist

Verbrennung ist ein chemischer Grobmotor. Bei über 600 Grad entstehen Tausende Verbindungen, die bei 350 Grad gar nicht erst gebildet werden. Deshalb ist die Reduktion bestimmter Stoffe real und messbar:

  • Kohlenmonoxid sinkt deutlich. Es entsteht praktisch nur bei Verbrennung, und der Rückgang zeigt sich beim CO-Test in der Ausatemluft schnell.
  • Teer im klassischen Sinn entsteht nicht, weil kein Verbrennungsrückstand gebildet wird. Das Aerosol hinterlässt trotzdem Rückstände, sie sind nur anders zusammengesetzt.
  • Mehrere polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe liegen niedriger, ebenso einige flüchtige organische Verbindungen.

Das ist die belastbare Seite. Sie ist nicht nichts.

Was trotzdem im Aerosol ist

Auch bei 350 Grad zersetzt sich organisches Material. Nachgewiesen wurden unter anderem Formaldehyd, Acetaldehyd, Acrolein und tabakspezifische Nitrosamine — dieselben Stoffgruppen wie im Zigarettenrauch, überwiegend in geringerer Konzentration. Einzelne unabhängige Analysen fanden bestimmte Substanzen allerdings in gleicher oder höherer Menge als in Zigarettenrauch.

Dazu kommt die volle Nikotindosis. Nikotin selbst ist nicht der Hauptkrebstreiber im Tabakrauch, aber es verengt Blutgefäße, erhöht Herzfrequenz und Blutdruck und ist der Stoff, der die Abhängigkeit aufrechterhält.

Der Kern des Missverständnisses: Exposition ist nicht Risiko

Das ist der Satz, an dem die ganze Diskussion hängt.

Ein Beispiel aus der Rauchergeschichte macht es deutlich: In den 1970er und 1980er Jahren kamen Zigaretten mit Filterlöchern auf den Markt, gemessen mit weniger Teer und Nikotin. Die Werte im Labor waren niedriger. Das Lungenkrebsrisiko der Raucherinnen und Raucher sank dadurch nicht — sie zogen tiefer, häufiger und hielten den Rauch länger. Die Maschine hatte weniger gemessen, der Mensch nicht weniger aufgenommen.

Deshalb bestehen WHO, das Deutsche Krebsforschungszentrum und andere Public-Health-Institutionen auf der Unterscheidung: Reduzierte Exposition ist eine Labormessung. Reduziertes Risiko ist ein epidemiologischer Befund über Jahrzehnte. Für Tabakerhitzer existiert der zweite Befund schlicht noch nicht.

Selbst die US-Behörde FDA, die dem Hersteller 2020 eine Werbeaussage zugestand, erlaubte ausdrücklich nur die Aussage über reduzierte Exposition und lehnte eine Aussage über reduziertes Risiko ab.

Der Vergleich in einer Tabelle

ZigaretteIQOS / Tabakerhitzer
Kohlenmonoxidhochdeutlich niedriger
Teer (Verbrennungsrückstand)jaentsteht nicht
Formaldehyd, Acrolein & Co.hochniedriger, aber vorhanden
Nikotinaufnahmevolle Dosisvergleichbare Größenordnung
Abhängigkeitspotenzialhochhoch
Belegter Rückgang von Krankheitennicht belegt
Langzeitdaten am Menschenüber 70 Jahrerund 10 Jahre
Passivbelastung für anderejaja, geringer sichtbar

Der praktische Haken: fast niemand steigt vollständig um

Das ist die Zahl, die in der Werbung nicht vorkommt. Erhebungen in Ländern mit hoher Marktdurchdringung zeigen übereinstimmend, dass ein großer Teil der Nutzerinnen und Nutzer beides parallel konsumiert — den Erhitzer drinnen, im Büro, in der Wohnung, die Zigarette abends, auf dem Balkon, mit Freunden.

Was folgt daraus? Die Rechnung „weniger Schadstoffe pro Einheit” geht nur auf, wenn die Zahl der Einheiten gleich bleibt. Tut sie das nicht, kehrt sich der Effekt um. Wer zwölf Zigaretten durch acht Sticks plus sechs Zigaretten ersetzt, hat vierzehn Konsumeinheiten statt zwölf — und mehr Nikotin im System als vorher.

Warum die Dosis-Kurve nicht linear verläuft

Es gibt einen zweiten Grund, warum sich niedrigere Messwerte nicht in eine gleich große Risikominderung übersetzen lassen, und er wird selten erwähnt.

Die Dosis-Wirkungs-Beziehung beim Tabak verläuft nicht als Gerade. Beim Herz-Kreislauf-Risiko ist sie besonders steil: Schon eine einzige Zigarette pro Tag trägt einen erheblichen Anteil des Risikos von zwanzig Zigaretten. Der Grund liegt in der Biologie der Gefäße — Entzündung, Gerinnungsneigung und Gefäßverengung reagieren bereits auf kleine Mengen fast maximal.

Was daraus folgt: Eine Reduktion der Schadstoffbelastung um einen bestimmten Prozentsatz kann zu einer deutlich kleineren Risikoreduktion führen. Bei Erkrankungen, die stärker von der Gesamtmenge abhängen — Lungenkrebs etwa — ist der Zusammenhang enger, aber auch dort nicht eins zu eins.

Diese Kurve hat allerdings auch eine ermutigende Seite. Sie ist der Grund, warum das steilste Stück ganz am Ende liegt: Der Schritt von fünf Einheiten auf null bringt gesundheitlich mehr als der Schritt von zwanzig auf fünfzehn. Der Weg lohnt sich also auf ganzer Länge, aber am meisten an seinem Ende.

Was du daraus mitnehmen kannst

Die ehrliche Bilanz sieht so aus:

  1. Der Umstieg beseitigt die Verbrennung, und das ist chemisch relevant.
  2. Er beseitigt weder die Nikotinabhängigkeit noch die Zahl der Konsummomente pro Tag.
  3. Ein gesundheitlicher Nutzen ist nicht nachgewiesen, ein Schaden ebenso wenig ausgeschlossen.
  4. Der einzige Weg mit belegtem Nutzen bleibt, ganz aufzuhören.

Und dieser Weg ist kein Alles-oder-Nichts. Die Risikokurve beim Tabak ist dosisabhängig: Weniger Einheiten pro Tag bedeuten weniger Belastung, unabhängig davon, ob du gerade bei zwanzig oder bei fünf bist. Jede Reduktion zählt schon, bevor die Null erreicht ist.

Dass die meisten Menschen mehrere Anläufe brauchen, ist dabei kein Makel, sondern die Regel. Wer schon einmal aufgehört hat und rückfällig wurde, hat nicht versagt, sondern Daten gesammelt.

Zwei Minuten, die mehr bringen als die Grundsatzfrage

Bevor du entscheidest, ob Erhitzer oder Zigarette — zähl heute einfach beides. Jede Zigarette, jeden Stick, ohne etwas zu ändern. Am Abend hast du eine Zahl, die deine tatsächliche Nikotinlast beschreibt, und nicht die, die du dir vorstellst.

In Puff Counter wird aus dieser Zahl ein Wochenlimit, das an deinem echten Schnitt ansetzt und Woche für Woche sinkt — Sticks und Zigaretten laufen dabei in derselben Zählung, weil dein Körper sie auch nicht getrennt verbucht. Der Streit über Prozentangaben löst sich damit von selbst: Entscheidend ist die Zahl, die du heute Abend siehst, und wo sie in acht Wochen steht.

Häufige Fragen

Wie viel weniger schädlich ist IQOS als Rauchen?

Eine seriöse Prozentzahl dafür gibt es nicht. Der Hersteller nennt eine deutliche Reduktion einzelner Schadstoffe im Aerosol — das ist eine Labormessung, keine Aussage über Krankheitsrisiko. Die dafür nötigen Langzeitstudien am Menschen fehlen, weil das Produkt erst seit rund zehn Jahren auf dem Markt ist.

Ist der Umstieg von Zigaretten auf IQOS trotzdem eine Verbesserung?

Möglicherweise in Teilbereichen, etwa beim Kohlenmonoxid, das direkt an der Verbrennung hängt. Der Haken: Die meisten Umsteiger rauchen weiter nebenher, und dann summiert sich die Belastung, statt zu sinken. Ein vollständiger Ausstieg aus dem Nikotin bleibt die einzige Option mit belegtem Nutzen.

Was sagt die WHO zu Tabakerhitzern?

Die WHO stuft Tabakerhitzer als Tabakprodukte ein und empfiehlt, sie wie Zigaretten zu regulieren. Ihre zentrale Formulierung: Eine verringerte Belastung mit Schadstoffen ist kein Beleg für ein verringertes Erkrankungsrisiko. Auch Nichtraucherschutzregeln sollen aus ihrer Sicht für diese Produkte gelten.

Bekomme ich von IQOS weniger Nikotin als von einer Zigarette?

In der Regel nicht. Unabhängige Messungen zeigen bei erfahrenen Nutzern eine Nikotinaufnahme in derselben Größenordnung wie beim Rauchen. Das erklärt, warum sich das Verlangen nach dem Umstieg meist unverändert anfühlt: gleiche Uhr, gleiche Auslöser, nur ein anderes Gerät.